Geldern Chronik



Diese Chronik hat sich durch die Lektüre heimatkundlicher Bücher ergeben und erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. In erster Linie ging es mir darum, darzustellen, über was unsere Vorfahren sich wohl unterhalten haben mögen, welche Ereignisse für sie möglicherweise von Interesse gewesen sein könnten.
Korrekturen und Ergänzungen sind jederzeit willkommen!
 

0400 - 0999
451 - 892

Überfälle durch Hunnen, Dänen, Sachsen und Normannen. Ab dem 11. Jh. trat eine Besserung ein.
 

812

Erste urkundliche Erwähnung von Geldern1 (Gelre, Gielra, Gellero, Gelera u. ä.).
 

866

Erste urkundliche Erwähnung von Uedem2 als "odeheimero marca" (Uedemer Mark) [Uedem = Herzogtum Kleve].
 

878

Die Sage erzählt, dass die Herren Wichard und Lupold von Pont gegen einen feuerspeienden Drachen kämpften. Sie fanden ihn unter einem Mispelbaum, und einer der beiden durchbohrte den Drachen mit seinem Speer. Während der Drachen verendete, röchelte er noch zwei- oder dreimal "Gelre! Gelre!". Die Stadt Geldern soll daraufhin von den Herren von Pont als Erinnerung an diese Heldentat am Zusammenfluss von Fleuth und Niers gegründet worden sein.
 

900

Durch asiatische Reitertruppen gelangte der Steigbügel nach Europa und setzt sich bei der karolingischen Reiterei durch.
 

1000 - 1199
11. Jh.

Ansiedlung von Sauerländern im Kempener Gebiet durch Anno II., Erzbischof von Köln.
 

1020 - 1448

Grafen von Kleve
 

1063

Erste urkundliche Erwähnung von Straelen3 mit der lateinischen Bezeichnung "Strala" (andere Angaben lauten 1065/75).
 

vor 1092

Die Klever Burg wurde fertiggestellt.
 

1094 - 1229

Die Burg Geldern unter den Grafen von Geldern.
 

12. Jh.

Mißernten, Überschwemmungen, Kriege, Plünderungen und Verwüstungen.
 

02.02.1106

Der "Große Komet von 1106" wurde bis Mitte März beobachtet und soll sich sogar geteilt haben.
 

1146

Im fernen Regensburg wurde erstmals eine Brücke aus Stein gebaut.
 

26.01.1153

Von 13:37:58 bis 13:40:06 Uhr verfinsterte sich für 2 Minuten 8 Sekunden die Sonne. Es herrschte eine ringförmige Sonnenfinsternis.
 

1154

Erste urkundliche Erwähnung von Wetten4.
 

1173

Erste urkundliche Erwähnung von Keppeln.
 

Mai 1198

Dietrich von Kleve nahm unter Barbarossa am 3. Kreuzzug teil.
 

1200 - 1299
1200

Der Herzog von Kleve wurde neben dem Stift Xanten Herr über Uedem.
 

1229 - 1371

Geldern unter den Grafen und Herzögen von Geldern.
 

1229

Geldern erhielt Stadtrechte.
 

1240

Die Schubkarre wurde erfunden.
 

06.10.1241

Von 12:58:10 bis 13:01:25 Uhr verfinsterte sich für 3 Minuten 15 Sekunden die Sonne. Es herrschte eine totale Sonnenfinsternis.
 

1250

Capellen5 wurde erstmalig unrkundlich erwähnt.

Wetten besaß ein Gericht, das sowohl für die Wettener wie auch für die Kevelaer Bauerschaft zuständig war und einen Teil des Amtes Geldern bildete.
 

1252

Papst Innozenz IV. genehmigte die Folter zur Wahrheitsfindung bei Inquisitionsprozessen.
 

1257 - 1273

kaiserlose Zeit
 

1261

Goch6 wurde erstmalig als Stadt bezeichnet.
 

27.09.1282

Erste urkundliche Erwähnung Winnekendonks7, als der Ritter Wilhelm von Kervenheim die Vogtei Winnekendonk an das Stiftskapitel in Xanten verkaufte.
 

05.09.1290

Von 07:40:37 bis 07:45:37 Uhr verfinsterte sich für 5 Minuten 0 Sekunden die Sonne. Es herrschte eine ringförmige Sonnenfinsternis.
 

1295

Graf Dietrich VIII. von Kleve gab das Uedemer Bruch und Uedemerfeld gegen Erbpacht und Zehnten für die Besiedlung frei. Holländische Spezialisten für die Urbarmachung von Bruchgebieten sollten das Gebiet trockenlegen.
 

1300 - 1399
1319

Uedem wurde erstmals als Stadt bezeichnet.
 

14.12.1320

Sonsbeck8 erhielt die Stadtrechte
 

1326

Graf Rainald II wurde Lehensherr über Capellen.
 

06.01.1328

Erstes geschriebenes Landrecht für das Quartier Roermond9.
 

1336

Heuschreckenplage

Wachtendonk10 fällt unter die Herrschaft des Herzogs von Geldern.
 

ab 1331

Richter von Boedberg auf Haus Wankum.
 

03.03.1331

Abtretung der Herrlichkeit Beerenbroeck inklusive sämtlicher Rechte durch Loef Beerenbroeck an Graf Reginald II. von Geldern für 300 Mark brabant. Verpflichtungsausnahme war, das Erzbistum Köln werde dann an Boedberg weitergegeben.
 

03.03.1336

Auch die Gerichtsbarkeit und das Kirchenpatronat Capellens wurde dem Grafen von Geldern durch Ritter Loef von Beerenbroeck übertragen.
 

1338

Issum11 wurde zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als Gerardus de Belle die Herrlichkeit und das Gut an Graf Reinald II von Geldern übergab.

Mißernten
 

vor 1342

Ein Entwässerungsgraben "Heerenvoere", heute als "Spanische Ley" bzw. "Veensche Ley" bezeichnet, bildete bereits die Grenze zwischen Walbeck und Twisteden und vor der Franzosenzeit die Grenze zwischen den Herzogtümern Geldern und Kleve.

Nach den Aufzeichnungen des Landvermessers Buyx muss an eben diesem Graben im Bereich vom "Wember Dyk" eine Gerichtsstätte mit einem Galgen gewesen sein, um den sich zudem einige Legenden ranken.
 

1342

Am Samstag nach Karneval macht Reinald II. mit seinem Gefolge in Twisteden Halt und aß dort zu Mittag. Den armen Leuten, bei denen er seine Pferde untergestellt hatte, gibt er aus Dankbarkeit für ihre Gastfreundschaft 12 Schillinge.

Das 200 bis 300 Einwohner zählende Straelen wurde erstmals als Stadt bezeichnet. Die Stadtrechte erhielt Straelen aber erst im Jahr 1428
 

1346

Wachtendonk erhielt die Stadtrechte.

Mißernten
 

1347 - 1351

"Der Schwarze Tod" breitete sich durch Seeleute, die in der asiatischen Schwarzmeerregion Handel trieben, von Genua über ganz Europa aus und forderte insgesamt rund 25 Millionen Todesopfer.

Geißlerzüge zogen durch die Lande und versuchten, der Seuche durch Selbstgeißelung Einhalt zu gebieten. Endzeitstimmung machte sich unter den Menschen breit und es traten Hungersnöte auf.
 

1349

Pest (Judenverfolgung)
 

05.01.1359

Uedem erhielt erste Stadtprivilegien durch Graf Johann von Kleve.
 

01.05.1359

Durch den "Xantener Vertrag" zwischen Graf Johann I., dem Xantener Stift und dem Uedemer Magistrat wurde die Befreiung der Einwohner aus der Hörigkeit eingeleitet.
 

1369

Laut einer Steuerliste gab es 63 Haushalte in Wetten.
 

1371 - 1423

Geldern unter den Herzögen aus dem Hause Jülich
 

27. Mai 1372

Der Xantener Kanoniker Dr. med. Philipp Schoen berichtete von einem Stadtbrand, der nach der Vesper ausgebrochen sei und einen großen Teil der Stadt Kleve in Asche in gelegt habe.
 

12.11.1381

In Kleve12 wurde die erste Narrenorganisation Europas gegründet.
 

1400 - 1499
16.06.1406

Von 07:11:20 bis 07:14:21 Uhr verfinsterte sich für 3 Minuten 0 Sekunden die Sonne. Es herrschte eine totale Sonnenfinsternis.
 

1417 - 1609

Herzöge von Kleve (ab 1521 zugleich Herzöge von Jülich und Berg)
 

1423 - 1473

Geldern unter den Herzögen aus dem Hause Egmont
 

1428

Straelen erhielt die Stadtrechte.
 

ca. 1430

Errichtung eines festen Hauses als Richtersitz in Schravelen

In einer Esche in der Bauerschaft Boeckelt nahe dem Ort Capellen wurde ein Madonnenbild gefunden. Das Bild wurde zu einem nahe gelegenen Hof gebracht, verschwand und erschien aber immer wieder in der Esche.
 

03.07.1431

Die Wallfahrtskapelle zu Aengenesch13 ("An der Esche"), die mit privaten Mitteln der Anwohner erbaut wurde, wurde vom Kölner Weihbischof Konrad von Arnsberg geweiht.
 

17.06.1433

Von 16:33:08 bis 16:37:14 Uhr verfinsterte sich für 4 Minuten 5 Sekunden die Sonne. Es herrschte eine totale Sonnenfinsternis.
 

1436

Obwohl er sich rein rechtlich gar nicht im Besitz der Kapelle zu Aengenesch befand, "schenkte" Herzog Arnold von Egmont sie dem Karmeliterkloster zu Geldern.
 

1448

Reiterhorden des Kölnischen Erzbischofs Dietrich II. von Moers fielen in Kleve ein und zerstörten Winnekendonk.
 

1453

Pest
 

1461

In Kleve wurde die St. Antonius-Brüderschaft gegründet, die sich der Armenfürsorge widmete.
 

1465

Einfälle von Klever Seite.
 

1467

Pest
 

1473

Goch fiel unter die Herrschaft der Herzöge von Kleve.
 

1473 - 1492

Geldern unter burgundischer Herrschaft.
 

1475

Das Rathaus in Geldern brannte nieder.
 

1486

Der Dominkanermönch HEINRICH KRAMER (lat. Henricus Institor) veröffentlichte in Speyer den Mallevs Maleficarvm14 (lateinisch), auch als "Hexenhammer" bekannt.
 

1492 - 1538

Geldern unter dem Herzog Karl von Egmond
 

1494

Pest
 

1499

Hexenprozess in Rheinberg:15

Die "seit 20 Jahren zaubernde" GIERTKEN BANCKERTZ (BLANCKERS) aus Rheinberg erklärt unter der Folter, "20 Jahre mit dem Teufel gebuhlt" und an vier Hexensabbaten teilgenommen zu haben. Ein Brief vom 21.04.1499 hat ihre Hinrichtung überliefert.
 

1500 - 1599
ca. 1500

Wetten hat 1500 Einwohner (ohne Kleinkinder)
 

1501

Hexenprozess in Viersen:16

Zwei Frauen aus Viersen (Amt Krickenbeck) sind wegen Zauberei und Hexerei angezeigt und vom Amtmann von Vischenich eingekerkert worden. Nach 42 Tagen wurden sie vom Scharfrichter FLORIS aus Nymwegen zum Tode verurteilt: mit Bestätigung des Herzogs KARL von GELDERN und dem Drosten zu Geldern, GOESSEN SPEDE von LANGENFELD. Es hieß: "Bei der Hinrichtung hatte der Scharfrichter viel zu tun."
 

1518/19

Pest
 

1524

Einfälle durch Sachsen.

Eine "groote Sterffte".
 

16.04.1528

Ein Stadtbrand vernichtete weite Teile der Stadt Kleve.
 

1529

Der "englische Schweiß" (Pest).
 

1530

Großbrand in Geldern.
 

1538 - 1543

Geldern unter dem Herzog Wilhelm von Jülich, Kleve und Berg.
 

1543 - 1578

Geldern unter spanischer Herrschaft.
 

1547

Großbrand in Geldern (Brandstiftung).
 

12.11.1547

Von 14:13:04 bis 14:19:05 Uhr verfinsterte sich für 6 Minuten 0 Sekunden die Sonne. Es herrschte eine ringförmige Sonnenfinsternis.
 

1561

Capellen wurde nach Roermond umgepfarrt (1665 Brand im Roermonder Archiv).
 

1566

Bildersturm in Veert17 (auch 1580/81).

Caspar, ein Prediger der Geusen, hielt sich in Geldern auf.
 

1567/68 - 72

keine katholischen Gottesdienste in Capellen.
 

1567

Der Wiedertäufer Johann Wilhelmsen Schuhmacher "bekehrte" in Roermond 300 Menschen.
 

1570 - 1630

Die seit dem 15. Jahrhundert herrschende "Kleine Eiszeit" erreichte ihren ersten Höhepunkt mit katastrophalen Folgen für die Menschen. Die Sommer waren nasskalt, so daß die Saat auf dem Felde verfaulte und Mißernten die Regel wurden. Damit verbunden waren Hungersnöte und Seuchen, da den Menschen wegen der Unterernährung die Widerstandskraft fehlte. Historiker sehen in dieser Klimakatastrophe eine der Mitursachen für die Hexenverfolgung.
 

1570

Hexenprozess in Kempen:18

BEEL (Sybille) THIS wurde beschuldigt, den SANDER (Alexander) HONN samt seinen Kindern, seinem Vieh und Hof "geschedicht" zu haben. Durch die Folter bekannte sie alle unterstellten Verbrechen und wurde nach dem 20.10.1570 "auf den Peschwiesen" verbrannt.
 

1577

Der "große Komet von 1577" war selbst tagsüber zu sehen.
 

1578 - 1587

Geldern unter den Generalstaaten.
 

1578

Verbot der Ausübung der katholischen Religion.

Erstürmung der kath. Pfarrkirche in Geldern, neun Jahre im Besitz der Protestanten.
 

1579

Besonders in Issum wurden Höfe zerstört, das Land verwilderte.
 

ca. 1580

In Winnekendonk lebten 550 gläubige Katholiken.
 

12.03.1580

Herzog Wilhelm der Reiche ließ "einen der Apostel der Wiedertäufer, Johann Wilmsen, auf dem großen Markt zu Cleve mit Ketten an einen Pfahl angeschlossen lebendig verbrennen."
 

1582

Nur noch die protestantische Religion darf ausgeübt werden.
 

1583

Bildersturm in Wachtendonk.

Plünderungen durch spanische Soldaten.
 

1587 - 1703

Geldern von neuem unter spanischer Herrschaft.

Der Katholozismus kommt zurück. An manchen Orten lebten obdachlose Menschen in den Kirchen.
 

1590

Hexenprozess in Kempen:

Meister GERHARD, der "Schweineschneider" genannt, klagte CATHARINCHEN HOGH aus Kempen wegen Zauberei an. Sie wurde deswegen "gefänglich eingezogen", verhört und "gerichtlich procedieret" (gefoltert). Ihr Leben endete auf dem Scheiterhaufen.
 

1594

Hexenprozess in Roermond:

Am 02.03.1594 ließ der Schultheiß von Roermond MARIJ van BRAUNRAE vom Gehöft Muggenbroeck wegen Zauberei festnehmen. Nach zweimaliger Folter gab sie den Besuch beim Sabbat zu und endete am 31.03.1594 auf dem Scheiterhaufen. Von den durch sie als Mittäterinnen "besagten" fünf weiteren Frauen wurden mindestens zwei Ende April 1594 verbrannt.
 

1595

Hexenprozesse in Kempen.

Hexenprozess in Geldern:

Drei Frauen, P. HOERMANS, GRETE in gen BEEDZ und TRINA TEVOESTEN, sind wegen Zauberei beschuldigt und inhaftiert worden. Sie gaben unter der Folter den Abfall von Gott und Schadenzauber zu, u. a. Wettermachen und Viehsterben. Nach dem Todesurteil wurden sie am 09.03.1595 durch das "Geldertor" gefahren und an der Richtstätte verbrannt.
 

1596

Hexenprozesse in Geldern:

NESA (Agnes) GROEMMERS war angeklagt wegen Zauberei. Um nach der Wasserprobe und der Folter weiteren Torturen zu entgehen, beging sie Selbstmord, indem sie aus dem Kerkerfenster sprang.

HEES (Esther) GROEMMERS (Tochter von NESA GROEMMERS) hat unter der der Tortur einige Hexerei-Verbrechen gestanden, später widerrufen und nach weiteren Torturen erneut zugegeben. Sie wurde am 14.11.1596 verbrannt.

SEY (Lucia) TOERF, gefoltert wegen Abfall von Gott, Teufelsbuhlschaft und Tanz auf der Straelener Heide, wurde am 12.11.1596 verbrannt.

Die Geschwister JENNEKEN und TRINA ter SCHMITTEN (SCHMITTMANS) wurden am 27.11.1596 verbrannt wegen Teufelsbuhlschaft unt Tötung von Tieren und Kindern.

GRETCHEN HAECHMANS (HAECHMANSHOF bei Holthuysen) und ERM in gen alte STOEFF wurden in Geldern angeklagt wegen Tötung von Tieren. Sie wurden am 04.12.1596 verbrannt.

SIBILLA SCHIETMANS, angeklagt wegen Teufelsbuhlschaft, Hexensabbat, Tötung von Tieren und Zauberei, wurde am 09.12.1596 verbrannt.
 

1600 - 1699
1601

Hexenprozess in Kempen:

keine Überlieferung
 

1606

Hexenprozess in Roermond/Unterherrschaft Türschenbroich:

Die brutale Hinrichtung einer Frau als Hexe ist aus Geneiken überliefert. Der Richter fand dabei Unterstützung beim Dechanten FRANZISKUS AGRICOLA, der dort von 1599 - 1621 amtierte. Als Befürworter der Hexenlehre veröffentlichte er 1597 in Köln einen fanatischen einflussreichen Hexentraktat.
 

1609

Hexenprozess in Roermond/Montfort:

TRUIJE BRUIJNS aus Echt kam im August 1609 in Montfort wegen Zauberei in Haft und wurde auf Veranlassung der Schöffen von Echt dreimal gefoltert. Offenbar machte sie ein Geständnis und besagte auch noch drei weitere Personen als Mit-Hexen. Sie wurde am 07.11.1609 erdrosselt und verbrannt.
 

1610

Hexenprozesse in Roermond/Montfort:

Truije Bruijns "besagte" ihren Sohn VAES. Nach "dreimaliger" Peinigung gestand er, "ein Werwolf" zu sein. Er wurde am 13.01.1610 verbrannt. Die hingerichtete Truije Bruijns besagte eine Frau, LISKE genannt, die trotz Folter die Hexerei nicht gestehen wollte. Sie "wurde tot im Gefängnis vorgefunden". Die hingerichtete Truije Bruijns hatte auch IDKEN LENSSEN als Mit-Hexe besagt. Nach der Wasserprobe warf sie sich aus dem Turmfenster und brach sich ein Bein. Da sie die "erwünschten Aussagen" weiterhin verweigerte, ließ das Gericht für sie bei einem Arzt in Luik einen "Trank" holen, um ihr ein Geständnis abzuringen. Das erfolterte Geständnis widerrief sie jedoch später. Deshalb wurde sie zur Verbannung verurteilt. Als sie nach 14 Tagen heimkehrte, kam sie erneut in Haft. Nach nochmaliger Folter endete sie am 06.10.1610 auf dem Scheiterhaufen.
 

1612

Hexenprozess in Straelen:

MARIA BRUNNER war als Hexe im Land bekannt, ebenso einige ihrer Vorfahren. Sie wurde in Straelen angeklagt und gefoltert wegen falschen Eides und Zauberei an Kindern. Bei der Verhandlung vom 19.03.1612 gab sie den falschen Eid zu, stritt aber alle Zaubereien bis zuletzt ab. Ihr Schicksal ist ungewiss.
 

1613

Hexenprozesse in Roermond/Geldern:

Unter den ca. 30 Opfern von Roermond (s. 1613/14) wurden im Herbst 1613 zehn Frauen und ein Mann wegen Zauberei und Hexerei auf der Holthuyser Heide (der Straelener Gerichtsstätte) vermutlich lebendig verbrannt. Dazu gehörte auch die Hebamme ENTGEN GILLIS aus Herongen, die unter der Folter als "Hexenprinzessin" besagt worden war. Sie soll - "lebendigen Leibes" - verbrannt worden sein.
 

1613/14

In dem zu Kurköln gehörenden Bistum hat u. a. der Traktatschreiber Dechant FRANZISKUS AGRICOLA (amt. 1599 - 1621) die Prozesse gefördert. Die Anzahl der vor allem von dem Wahrsager HANS LODEWIJKS denunzierten Opfer differiert, weil die Prozessfragmente der Gericht noch nicht umfassend untersucht sind. Schätzungweise traf 1613-14 in Roermond ungefähr 30 Personden das Todesurteil.

Die meisten Opfer stammten aus Swalmen, Straelen (s. 1613) und Wassenberg. ALEIDT RUYTERS wurde am 23.12.1613 hingerichtet. Die von ihr "besagte" TRYN van Vierssen, auch CATHARINA van EYCK genannt, kam am 29.04.1614 in Haft. Obwohl ihre Familie um Freilassung bat, wurde sie nach einer weiteren Denunziation und zweimaliger Folter am 19.07.1614 verbrannt. Es heißt, "… daß die Roermonder Schöffenbank ihre Zuständigkeit in Straffällen um 1613/14 besonders betonen wollte".
 

1614

Goch fällt unter die Herrschaft von Brandenburg/Preußen.

Hexenprozess in Roermond/Montfort:

HENRICK von WANLO und MARIKEN SMEETS wurden in Montfort wegen Zauberei im September/Oktober 1614 inhaftiert, gefoltert und verbrannt.

Wie einige Angeklagte der folgenden Jahre kam LEISKEN KUIPERS mit dem Leben davon. Sie wurde nach dreimaliger Folter "mangels Beweisen" und auf Bitten der Familie sowie durch Übernahme der Gerichtskosten Ende des Jahres 1614 freigelassen.
 

1617

Uedem wurde von einem schweren Brand heimgesucht.
 

1618

Der Dreißigjährige Krieg begann.
 

1626

Das "Neeramt" wurde besonders durch Kriegsvolk verheert.

Der Bau der "Fossa Eugenia"19 wurde begonnen.
 

1628

Hexenverfolgung in Wesel:

Zwei wegen Zauberei berüchtigte Frauen (Mutter und Tochter) wurden am 07.05.1628 von Soldaten und Kindern gejagt und mit Steinen beworfen. Die Frauen stürzten sich aus Verzweiflung in die Lippe und ertranken.
 

ca. 1630

In Winnekendonk standen 59 Höfe, 34 Katstellen und 24 Häuser, die von 810 Menschen bewohnt wurden.
 

1631

Pest
 

1635

"Kroaten Jahr"
 

1642

Nachdem der Kaufmann Hendrick Busman seit Weihnachten 1641 auf seinem Weg von Weeze nach Geldern mehrfach während seiner Gebete an einem Hagelkreuz nahe Kevelaer20 aufgefordert wurde, "Op deze plaats sult gij mij een kapelleken bouwen!", kam er diesem höheren Wunsch nach, obwohl er kein reicher Mann war.

Seine Frau Mechel Schrouse konnte in Kempen ein Marienbildchen kaufen, das sie einen Monat vor Pfingsten in einer nächtlichen Erscheinung gesehen hatte.

Der gelähmte Peter van Volbroek aus Hassum wurde nach einer Pilgerreise nach Kevelaer geheilt.

Einfall von hessisch-weimarischen Truppen ("Jaegd den Duevel")
 

1643

Eerutgen Dircks aus Huissen wurde nach zweimaligem Besuch der Kapelle zu Kevelaer ohne ärztliche Behandlung von jahrelang offenen Wunden an den Beinen geheilt.
 

1647

Die Kapelle zu Kevelaer und die dort bis dahin geschehen Wunderheilungen werden von der Synode zu Venlo anerkannt und Kevelaer darf sich nach kirchlichem Recht Wallfahrtsort nennen.
 

24.10.1648

Der Dreißigjährige Krieg endete mit dem "Westfälischen Frieden"21.
 

1671

In Capellen gab es zwei Wirtshäuser, "Beim blinden wirthe" und "Wirth Dressens".
 

1675 - 1715

Wieder erreichte die "Kleine Eiszeit", die noch bis zum 19. Jahrhundert andauern sollte, einen traurigen Höhepunkt.
 

1667

Die Kirche in Twisteden zählte 209 Personen, welche die heilige Kommunion empfangen.

Ruhr-Epidemie. In Capellen wurde verordnet, daß das Bewachen und Bekränzen der Toten verboten sei, ebenso die Begleitung der Toten durch Frauen. 1693 wurde das Verbot erneuert.
 

14.11.1680

Kirchs Komet, benannt nach seinem Entdecker, ist auch bei Tage zu sehen und besitzt einen spektakulären Schweif. Am 19.03.1681 wurde er letztmalig beobachtet.
 

18.04.1685

Der schwerste Brand in der Geschichte Uedems zerstörte die gesamte Stadt bis auf zwei Häuser (Egeren und Hector) und forderte 17 Todesopfer.
 

1689

Da sich Winnekendonk und Kervendonk französischen Soldaten gegenüber als zahlungsunfähig zeigten, brennen diese im Frühjahr an einem einzigen Tag 87 Gebäude und die Kirche St. Urban nieder. Der Gesamtschaden belief sich auf 7808 Taler.
 

29.09.1690

Die Kirche von Capellen brannte an Michaelis vollständig nieder.
 

1693

Noch einmal rächten sich die Franzosen für die Nichtbezahlung ihrer Kriegs-Kontributionen mit Brandstiftung an Winnekendonk.
 

1699

Die erste Prozession von Bonn nach Kevelaer fand statt und ungefähr 400 Menschen machten sich zu Fuß auf den Weg.
 

1700 - 1799
1700

Der Brennstoff Holz wurde knapp. Die energieverschleudernden offenen Feuerstellen mussten durch "Sparöfen" ersetzt werden. Dank der besseren Wirkungsgrade und der besseren Sicherheit setzten sich so geschlossene Herde und Öfen durch.
 

1703 - 1794

Geldern unter preußischer Herrschaft
 

1721

Gildenstreit zwischen Aengenesch und Capellen.
 

1703

König Friedrich I. besuchte erstmalig sein neues Hoheitsgebiet.
 

1711

König Friedrich I. durchquerte das Land auf seinem Weg nach Den Haag in den Niederlanden und verlangte zu diesem Zweck von seinen niederrheinischen Untertanen die Bereitstellung von insgesamt 624 Pferden, die von ihren tatsächlichen Besitzern begleitet werden mußten.
 

1713

Die Gemeinde Kerken fiel unter preußische Herrschaft.
 

1721

Gildenstreit zwischen Aengenesch und Capellen.
 

09.12.1743

Der Komet Klinkenberg war einer der hellsten des 18. Jahrhunderts. Er entwickelte bis zu 11 Schweifstrahlen und war auch für Ungeübte am Tage deutlich sichtbar.
 

1762

Großbrand in Capellen (Kirchenbücher 1604 - 1667 vernichtet).
 

1763

Im Spätsommer brannten in Twisteden wahrscheinlich durch Selbstentzündung 9 von insgesamt 52 Höfen nieder.
 

Mitte 1767

Erstmals erschien die in Kleve ansässige und weltweit gelesene Zeitschrift "Courier du Bas-Rhin".
 

1771

Eintrag ins Kervenheimer Taufbuch: "In diesem Jahr ist in Kervendonk ein Kind geboren worden, das an jeder Hand 10 Finger und an jedem Füßchen Zehen und keinen Mund hat und noch 8 Tage gelebt hat und eine Nase hat wie ein Hase, dies ist durch Augenzeugen bestätigt, J. Beckers, Pastor." (Quelle: Eugen Perau).22
 

24.10.1776

Eintrag in das Keppelner Taufbuch: "am 24.10.1776 ist in Keppeln ein Kind geboren worden mit zwei Köpfen, drei Armen, vier Händen und drei Füßen, dies ist von den Augenzeugen Pastor Rouwenhof, dem Chirurgen J. Baartmans und der Hebamme Sibilla Kannegieter bestätigt worden." (Quelle: Eugen Perau).
 

Juli 1777

Eintrag ins Uedemer Taufbuch, dass von den Eltern Gradus Bongers und Sibilla Cramps Zwillinge geboren sind. Die erste Tochter, Anna Catharina, wurde am Abend des 27.07.1777 im Haus der Eltern getauft, die zweite Tochter, Mechel, kommt zwei Tage später, am 29.07.1777, zur Welt und wurde am gleichen Tag in der Kirche getauft. (Quelle: Eugen Perau).
 

14.07.1792

27 Häuser und 16 Scheunen wurden in Capellen durch Feuer vernichtet. Auch das Pfarrhaus war betroffen, die Kirche konnte gerettet werden. (Quelle: Eugen Perau).
 

1794 - 1814

Der Niederrhein unter französischer Herrschaft.

Uedem verlor seine Stadtrechte und erhielt sie auch nicht wieder.
 

08.04.1796

Durch Brandstiftung wurden in Uedem drei Häuser und drei Scheunen zerstört. (Quelle: Eugen Perau).
 

18.04.1796

Wieder suchte ein verheerendes, durch Brandstiftung gelegtes Feuer Uedem heim. Der Schaden war diesmal größer, zwei Menschenleben waren zu beklagen, 59 Häuser und 37 Scheunen verbrannten, ettliche Tiere kamen in den Flammen und dem Rauch um. (Quelle: Eugen Perau).
 

1800 - 1899
1808

Die gelähmte Maria Katharina van Dyck wurde in Kevelaer geheilt.
 

13.01.1809

Das 17-jährige Mädchen Johanna Sebus23 kommt bei dem Versuch, ihre Nachbarin und deren Kinder aus den Hochwasserfluten des Rheines zu retten, ums Leben.
 

1810

Am Vorabend des Weißen Sonntags brannten in Capellen 32 Häuser und 16 Scheunen nieder.
 

1814 - 1861

Geldern von neuem unter preußischer Herrschafft
 

07.09.1820

Von 14:55:46 bis 14:59:49 Uhr verfinsterte sich für 4 Minuten 3 Sekunden die Sonne. Es herrschte eine ringförmige Sonnenfinsternis.
 

03.04.1835

Morgens um 7 Uhr erfolgte auf dem Großen Markt in Kleve die Hinrichtung des Raubmörders Heinrich Lohmann24 durch das Fallbeil.
 

1849

Die gelähmte Agnes Schiefer wurde in Kevelaer geheilt.
 

1850

In Kevelaer erhielten der blinde Pilger Johannes Weidenbach seine Sehfähigkeit und die Pilgerin Agnes Meurßen ihr Sprachvermögen zurück.
 

29.03.1860

Wilhelm Brinkhoff aus Alpen, der "Schinderhannes vom Niederrhein"25 wurde auf der Schwanenburg in Kleve zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt, er kann nach sechs Monaten und einer Woche fliehen.
 

1861

Der Bau der Eisenbahnstrecke Cleve - Crefeld beginnt.
 

05.03.1863

Die Eisenbahnstrecke zwischen Cleve und Crefeld wurde für die Öffentlichkeit freigegeben.
 


Weiterführende Informationen

:

  1 Geldern
  2 Uedem
  3 Straelen
  4 Wetten
  5 Capellen
  6 Goch
  7 Winnekendonk
  8 Sonsbeck
  9 Roermond
10 Wachtendonk
11 Issum
12 Kleve
13 Aengenesch
14 Der "Hexenhammer" (malleus maleficarum, 1487; deutsche Fassung).
15 Rheinberg
16 Viersen
17 Veert
18 Kempen
19 Fossa Eugeniana
20 Kevelaer
21 Westfälischer Frieden
22 Eugen Perau
23 Johanna Sebus
24 Heinrich Lohmann
25 Wilhelm Brinkhoff aus Alpen, der "Schinderhannes vom Niederrhein"

Desweiteren die Bücher
Franz Josef Drißen: 700 Jahre Winnekendonk
Friedrich Nettesheim: Die Geschichte der Stadt und des Amtes Geldern
Wilhelm Wüsten: Notizen zur Geschichte von Capellen und Aengenesch
Hetty Kemmerich: Sagt, was ich gestehen soll

 



Impressum/Kontakt • Webdesign und Inhalt © Luise Wenkheimer 2008 - 2017