Hexenprozesse am Niederrhein im Raum Geldern


(aus "Sagt was ich gestehen soll" von Hetty Kemmerich)

1252

Papst Innozenz IV. genehmigt die Folter zur Wahrheitsfindung bei Inquisitionsprozessen.
 

1486

Der Dominkanermönch HEINRICH KRAMER (lat. Henricus Institor) veröffentlicht in Speyer den "Hexenhammer" (lat. Malleus Maleficarum).
 

1499

Hexenprozess in Rheinberg:

Die "seit 20 Jahren zaubernde" GIERTKEN BANCKERTZ (BLANCKERS) aus Rheinberg erklärt unter der Folter, "20 Jahre mit dem Teufel gebuhlt" und an vier Hexensabbaten teilgenommen zu haben.
Ein Brief vom 21.04.1499 hat ihre Hinrichtung überliefert.
 

1501

Hexenprozess in Viersen:

Zwei Frauen aus Viersen (Amt Krickenbeck) sind wegen Zauberei und Hexerei angezeigt und vom Amtmann von Vischenich eingekerkert worden.
Nach 42 Tagen wurden sie vom Scharfrichter FLORIS aus Nymwegen zum Tode verurteilt: mit Bestätigung des Herzogs KARL von GELDERN und dem Drosten zu Geldern, GOESSEN SPEDE von LANGENFELD.
Es hieß: "Bei der Hinrichtung hatte der Scharfrichter viel zu tun."
 

1570

Hexenprozess in Kempen:

BEEL (Sybille) THIS wurde beschuldigt, den SANDER (Alexander) HONN samt seinen Kindern, seinem Vieh und Hof "geschedicht" zu haben.
Durch die Folter bekannte sie alle unterstellten Verbrechen und wurde nach dem 20.10.1570 "auf den Peschwiesen" verbrannt.
 

1590

Hexenprozess in Kempen:

Meister GERHARD, der "Schweineschneider" genannt, klagte CATHARINCHEN HOGH aus Kempen wegen Zauberei an.
Sie wurde deswegen "gefänglich eingezogen", verhört und "gerichtlich procedieret" (gefoltert).
Ihr Leben endete auf dem Scheiterhaufen.
 

1595

Hexenprozess in Geldern:

Drei Frauen, P. HOERMANS, GRETE in gen BEEDZ und TRINA TEVOESTEN, sind wegen Zauberei beschuldigt und inhaftiert worden.
Sie gaben unter der Folter den Abfall von Gott und Schadenzauber zu, u. a. Wettermachen und Viehsterben.
Nach dem Todesurteil wurden sie am 09.03.1595 durch das "Geldertor" gefahren und an der Richtstätte verbrannt.
 

1596

Hexenprozesse in Geldern:

NESA (Agnes) GROEMMERS war angeklagt wegen Zauberei.
Um nach der Wasserprobe und der Folter weiteren Torturen zu entgehen, beging sie Selbstmord, indem sie aus dem Kerkerfenster sprang.

HEES (Esther) GROEMMERS (Tochter von NESA GROEMMERS) hat unter der der Tortur einige Hexerei-Verbrechen gestanden, später widerrufen und nach weiteren Torturen erneut zugegeben.
Sie wurde am 14.11.1596 verbrannt.

SEY (Lucia) TOERF, gefoltert wegen Abfall von Gott, Teufelsbuhlschaft und Tanz auf der Straelener Heide, wurde am 12.11.1596 verbrannt.

Die Geschwister JENNEKEN und TRINA ter SCHMITTEN (SCHMITTMANS) wurden am 27.11.1596 verbrannt wegen Teufelsbuhlschaft unt Tötung von Tieren und Kindern.

GRETCHEN HAECHMANS (HAECHMANSHOF bei Holthuysen) und ERM in gen alte STOEFF wurden in Geldern angeklagt wegen Tötung von Tieren.
Sie wurden am 04.12.1596 verbrannt.

SIBILLA SCHIETMANS, angeklagt wegen Teufelsbuhlschaft, Hexensabbat, Tötung von Tieren und Zauberei, wurde am 09.12.1596 verbrannt.
 

1612

Hexenprozess in Straelen:

MARIA BRUNNER war als Hexe im Land bekannt, ebenso einige ihrer Vorfahren.
Sie wurde in Straelen angeklagt und gefoltert wegen falschen Eides und Zauberei an Kindern. Bei der Verhandlung vom 19.03.1612 gab sie den falschen Eid zu, stritt aber alle Zaubereien bis zuletzt ab.
Ihr Schicksal ist ungewiss.
 

1613/14

Hexenprozesse in Roermond/Geldern:

Unter den ca. 30 Opfern von Roermond wurden im Herbst 1613 zehn Frauen und ein Mann wegen Zauberei und Hexerei auf der Holthuyser Heide (der Straelener Gerichtsstätte) vermutlich lebendig verbrannt. Die meisten Opfer stammten aus Swalmen, Straelen und Wassenberg.

Dazu gehörte auch die Hebamme ENTGEN GILLIS aus Herongen, die unter der Folter als "Hexenprinzessin" besagt worden war. Sie soll "lebendigen Leibes" verbrannt worden sein.

ALEIDT RUYTERS wurde am 23.12.1613 hingerichtet.

Die von ihr "besagte" TRYN van Vierssen, auch CATHARINA van EYCK genannt, kam am 29.04.1614 in Haft.

Obwohl ihre Familie um Freilassung bat, wurde sie nach einer weiteren Denunziation und zweimaliger Folter am 19.07.1614 verbrannt.

Es heißt, "... daß die Roermonder Schöffenbank ihre Zuständigkeit in Straffällen um 1613/14 besonders betonen wollte".
 

1628

Hexenverfolgung in Wesel:

Zwei wegen Zauberei berüchtigte Frauen (Mutter und Tochter) wurden am 07.05.1628 von Soldaten und Kindern gejagt und mit Steinen beworfen. Die Frauen stürzten sich aus Verzweiflung in die Lippe und ertranken.
 


Weiterführende Informationen

:

1 Anton Praetorius - Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter
2 Hexenregister des Claudius Musiel - Hexenverfolgungen im Trierer Land 1586 - 1594
3 Der "Hexenhammer" (malleus maleficarum, 1487; deutsche Fassung)
 




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