Fryslan - Friesland/NL



Bei der Erforschung meiner friesischen Vorfahren1 leistete mir die Seite Tresoar2 sehr gute Hilfe. Allerdings beherrsche ich die niederländische Sprache so gut wie gar nicht und daher bekam ich auch nur eine grobe Vorstellung von den Quellen, die mir bei meiner Suche zur Verfügung standen. Um selber besser verstehen zu können, aber auch, um anderen das Verständnis zu erleichtern, beschloß ich, mit diversen Übersetzungtools und Wörterbüchern die Erklärungen ins Deutsche zu übersetzen.

Die meisten der Quellen reichen in die Zeit vor dem bürgerlichen Stand 18113 zurück und vor allem die Quotisatiekohieren geben einen guten Einblick in das Familienleben von 1749. Aber auch die Angaben der anderen Quellen sind sehr aufschlußreich und eine schöne Ergänzung zu dem nackten Gerüst der Daten. Es handelt sich dabei um folgende historische Quellen:
 

Stemkohieren (Wählerlisten)

Stemkohieren waren dazu bestimmt, wahlberechtigte Besitztümer, zumeist Bauerngehöfte, zu registrieren. Die meisten wahlberechtigten Güter kamen sowohl in den Stemkohieren wie auch in den Floreenkohieren (Grundstücksbelastungen) vor, dadurch war es grundsätzlich möglich, ihre geographische Lage zu überprüfen.

Üblicherweise erfolgte in den friesischen Regionen die Registrierung der stimmberechtigten Güter und derjenigen, die ihr Stimmrecht ausüben durften. Aber darüber entstand häufig Streit, so daß sich die Notwendigkeit für eine unabhängige zentrale Verwaltung ergab. Die Staaten von Friesland bestimmten 1640, daß alle wahlberechtigten Güter in einer Liste zusammenfaßt werden mußten und daß diese Liste, einmal festgestellt, fortan nicht mehr und nicht weniger als eine unveränderliche und beständige Grundlage, eine Art Reichsgrundbuch für das Stimmrecht sein sollte. Die Umsetzung wurde auf ein Gremium von acht Mitgliedern des Landtages, zwei aus jedem Viertel, übertragen, Streitigkeiten wurden durch die Provinzregierung beigelegt.

Im Lauf der Zeit veralteten die Listen und es entstand die Notwendigkeit, sie zu aktualisieren. Die Staaten beschlossen daher, fortan alle zehn Jahre eine neue Liste zu erstellen. Die Wählerliste von 1698 wurde, wie auch die von 1640, als Druck ausgegeben. Die Daten von 1640 sind sehr ungeordnet übernommen worden, es scheint, daß man ziemliche Mühe mit älteren Handschriften hatte. Die Exemplare der friesischen Statthalter scheinen die vertrauenswürdigsten zu sein. Auch die Liste von 1728 ist 1730 in Druck erschienen. In allen Stemkohieren nach 1698 sind auch die Inhaber von 1640 vermerkt.

Die Daten in den Stemkohieren sind eine Zusammenfassung. Von den registrierten Gütern werden in der Regel nur die Namen der Eigentümer und Nutzer erwähnt, manchmal die Namen der Güter und/oder Größe, in der Regel in Pfundgrößen. Da bestimmte Umstände Einfluß auf die Ausübung des Stimmrechts hatten, wurden von den Eigentümern noch andere Besonderheiten angegeben, wie Konfession oder Vormundschaft, aber die Genauigkeit variiert je nach Region.

Nach den Unruhen von 1748 wurden die Kriterien für das Stimmrecht verschärft, wodurch mittellose Viehhalter und allzu kleine Parzellen ihr Stimmrecht verloren. Daher wurden von 1758 an auch Daten über die Behausung und die Größe der Güter aufgenommen. Die letzten Stemkohieren datieren von 1788, da im Jahr 1795 eine ganz neue Verfassung in Kraft trat, in der, zumindest anfangs, kein Platz für das Stimmrecht auf der Grundlage von Eigentum war.
 

Quotisatiekohieren (Schätzungslisten)

1748 brach in der Republik ein Aufstand der Pächter aus, die Ausschreitungen richteten sich gegen die Belastungen der Pächter, von denen angenommen wurde, daß sie eine ungerechtfertigte Bereicherung darstellten. Die Staaten von Friesland beschlossen daher, das Verfahren der Besteuerung zu verändern. Alle indirekten Besteuerungen sollten ersetzt werden durch eine Erhebung, die mehr oder weniger im Verhältnis zur Haushaltsgröße und Vermögen stehen sollte. Am 30. Dezember erfolgte die Verkündung der neuen Steuergesetze. Eines davon sah die Einführung der Anteilsberechnung der Finanzkraft vor. Aber das Volk war darüber noch unzufriedener als über die vorherigen Belastungen, und so wurde die Berechnung dann auch 1750 wieder abgeschafft.

Die Listen aller Gemeinden auf dem Festland sind erhalten geblieben. So gut wie alle Familienvorstände werden hierin erwähnt, in einigen Gemeinden mit der Ausnahme von Mittellosen oder Alimentenempfängern. Von den erfaßten Einwohnern wurde, mit Ausnahme von Utingeradeel, meist der Beruf angegeben, zudem auch die pauschale Haushaltszusammenstellung und der Vermerk von Personen von zwölf Jahren und älter, respektive unter zwölf Jahren. Mit dieser Veranlagung war es möglich, das Vermögen zu berechnen.

Während des Pächteraufstands, der vom 26. Mai bis zum 2. Juni dauerte, kam in Harlingen eine organisierte Protestbewegung in Gang. Am 1. Juni wurde in Leeuwarden der Landtag einberufen. Die Abgeordneten von Harlingen reisten an diesem Tag an Bord dreier Schleppkähne zur friesischen Hauptstadt. Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt schon sehr angespannt. Eine große Menge "versehen mit großen Prügeln mit scharfen Klingen" hatte sich versammelt. Die Harlinger übergaben ihre "Punkte" der Versammlung. Eine dieser Forderungen war der Ersatz der Hafenpachten und Mahlen durch eine anteilmäßige Verteilung zwischen Gemeinden und Städten: die Quotisatie.
 

Notariële archieven (Notarielles Archiv)

Das Notariat bestand in Friesland bereits im 15. Jahrhundert. Obwohl die Notare verpflichtet waren, eine Abschrift der Akten, Protokolle oder Urkunden, aufzubewahren, wurde diese Auflage massiv mißachtet. Hiervon gibt es nur wenige Ausnahmen, von denen die bekannteste das Protokoll Cleuting (Leeuwarden, 16. Jahrhundert) ist. Eine Auswahl hieraus ist 1970 erschienen (P.Th. Zwart, Protocol Cleuting, Leeuwarden 1970).

1809 traten neue Vorschriften für die Notare in Kraft. Wieder wurde die Verpflichtung, Urkunden aufzubewahren, auferlegt und dieses Mal war es ernst gemeint. Diese Verpflichtung galt aber nicht für alle Akten, einige nämlich wurden nur einzeln aufbewahrt, z. B. Akten der Öffentlichkeit, Zustimmung zum Eingehen einer Ehe, Genehmigungen der Ausweisung von Hypotheken-Eintragungen und andere Vollmachten.

Die notariellen Archive ab 1809 sind daher ziemlich vollständig erhalten geblieben und bieten die unterschiedlichsten Informationen wie Kaufakten, Hypothekenakten, Heiratsbedingungen, Schuldbekenntnisse, Testamente, Inventurlisten, Teilung von Nachlässen und vieles mehr.
 

Memories van Successie (Übersicht der Erbfolge)

1806 wurde erstmals in den Niederlanden ein nationales Steuersystem eingeführt, das endgültig die fiskale Selbstständigkeit der Provinzen, damals noch Departements genannt, ablöste. Das System, entworfen von I.J.A. Gogel, seinerzeit Finanzminister, sorgte für eine zusammenhängende und ziemlich einheitliche Art der Besteuerung. Die Gemeinden, Marschen und Wasserverbände hatten daneben auch noch eigene Belastungen.

Die Erbschaftssteuer war sicherlich die wichtigste steuerpolitische Quelle, um Einsicht in die Vermögenslage der damaligen Menschen zu gewähren. Tatsächlich änderte das neue System nicht allzuviel, denn noch lange Zeit sollte die Vererbung von Eltern auf ihre Kinder unbelastet bleiben. Im 19. Jahrhundert war es notwendig, nach Zeiträumen zu unterscheiden, da die Gesetzesänderung von 1818 weitreichende Veränderungen mit sich brachte.

1806 - 1817
Die Festsetzung der Höhe der Erbschaftssteuer fand auf Grund eines Gesetzes vom 4. Oktober 1805 durch Schätzer (Qualifizierte) statt, meist Mitglieder der lokalen Verwaltung. Die Eintreibung wurde durch die Empfänger durchgeführt, die Aufzeichnungen darüber machten. Sie wurden durch den Rat der Finanzen kontrolliert, später durch den Landdrost, danach durch den Präfekten. Hinterher gingen die Dokumente an den Finanzminister.

1812 und 1813 galten die französischen Gesetze. Aus dieser Zeit ist so gut wie nicht erhalten geblieben. Ab 1814 trat die Anordnung von 1805 wieder in Kraft, allerdings hatten die Schätzer nun Kontrolleure. Der Gang der Dinge blieb der selbe und das galt auch für die übriggebliebene Archive, also vornehmlich die der Empfänger.

Die Verwaltung der Empfänger bestand hauptsächlich aus Rechnungen, auf denen die eingeforderte Steuer verantwortet wurde. Interessanter als die Rechnungen selbst sind die Anlagen, dabei befinden sich Listen von Verstorbenen, Inventurbeschreibungen und Daten zu Erbschaften. Die Listen der Verstorbenen aus der Zeit 1806 bis 1811 stellen in Friesland die einzige systematische Quelle von Sterbedaten vor dem bürgerlichen Stand dar.

Ab 1818
1818 trat ein neues Gesetz zur Erbschaftssteuer in Kraft. Damit begann eine regelmäßige und gut organisierte Verwaltung der Erbschaftsrechte, die, natürlich mit Anpassungen, bis ins 20. Jahrhundert praktiziert wurde. Organisatorisch fielen die Erbschaftsrechte unter das Amt der Registratur und Domänen, Ressort Registration.

Erben mußten bei jedem Sterbefall binnen sechs Monaten schriftlich angeben, was der Verstorbene hinterlassen hatte. Dann schätzte ein Inspektor den Wert der Vermögensbestandteile und erstellte eine Übersicht von Gewinn und Verlust, um die Höhe der Steuer festsetzen zu können. Eine Übersicht der Erbschaft enthielt im Allgemeinen folgende Angaben: Den Namen des Verstorbenen, Ort und Datum von Geburt und Tod, bürgerlicher Stand, die Wohnorte aller Erben und Legate und eine Übersicht des Bestandes von unbeweglichen Gütern und deren Grundbuchangaben. Falls die Erbschaftssteuer geschuldet wurde, mußten Verzeichnisse des übrigen Vermögens wie zum Beispiel Inventar, Handelswaren, Bargeld, Bankguthaben, Wertpapiere, kurzum alles von Wert, erstellt werden. Bis 1878 galt dies allein für die Hinterlassenschaft an die Nebenlinien. Ferner kann man aus den Übersichten ableiten, ob ein Testament oder Ehevertrag vorhanden war und das jeweilige Datum und den Namen des Notars, der die Akten aufgesetzt hatte.

Mitte 1842 fand eine Reorganisation der zehn Kantore statt, an die die Übersicht der Erbfolgen ab 1818 eingereicht werden mußten. Die Kantore Franeker, Gorredijk und Kollum wurden aufgegeben und neue Kantore in Beetsterzwaag, Hardegarijp, Holwerd en Oldeberkoop wurden eingerichtet. Gleichzeitig erfolgte eine Umverteilung der Gemeinden unter die restlichen elf Kantore.

Ab 1856 führte die Verwaltung selbst ein Register in der Form von sogenannten "Tabellen von Sterbefällen" (alphabetisch nach dem Familiennamen des Verstorbenen). Aus den Jahren 1818 - 1856 sind diese Tabellen nicht erhalten geblieben oder nicht angefertigt worden.
 


Weiterführende Informationen

:

1 Meine friesischen Vorfahren: Familie Bonte
2 Tresoar - Abschriften von Kirchenbüchern, Urkunden, etc.
3 AlleFriesen - Kopien von Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden ab 1811
 




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